Hollentin, Claudia (2009): Der zeitliche Ansatzpunkt der Bindungsentwicklung zwischen Mutter und Kind aus zwei Perspektiven

Gliederung:

1. Einleitung

1.1 Forschungsfrage und bildungswissenschaftliche Relevanz

1.2 Methodenbeschreibung

2. Hauptteil

2.1 Bindungsanalyse nach György Hidas und Jenö Raffai

2.2 Bindungstheorie nach John Bowlby

2.2.1 Phasen der Bindungsentwicklung nach Bowlby

2.3 Differenzen der Theorien und daraus folgende Konsequenzen

3. Resümee

3.1 Zusammenfassung der Ergebnisse

4. Literaturverzeichnis


1. Einleitung

1.1 Forschungsfrage und bildungswissenschaftliche Relevanz

Diese Arbeit beschäftigt sich mit der Forschungsfrage: „Inwiefern bestehen zwischen der Bindungsentwicklung nach Hidas und Raffai und der Bindungstheorie nach Bowlby Differenzen in Bezug auf den zeitlichen Ansatzpunkt der Bindungsentwicklung zwischen Mutter und Kind und welche Konsequenzen werden daraus ersichtlich?“

Im Rahmen der Proseminararbeit wird auf die Unterschiede der Bindungsentwicklung zwischen Mutter und Kind bezüglich des zeitlichen Ansatzpunktes von den Autoren Hidas und Raffai und dem Begründer der Bindungstheorie John Bowlby eingegangen. Hidas und Raffai beobachten die Entwicklung der Mutter-Kind-Bindung bereits pränatal. Bei Bowlby wird eine vorgeburtliche Bindungsentwicklung nicht erwähnt. Er ist der Meinung, dass der Säugling erst in seinem ersten Lebensjahr auf der Grundlage eines biologisch angelegten Verhaltenssystems eine starke emotionale Bindung zu einer Hauptbezugsperson entwickelt. (vgl. Brisch 2003, 51)

Die Erkenntnisse dieser Proseminararbeit sollen die Bedeutung von Bindungsprozessen zwischen Mutter und Kind aufzeigen und die bildungswissenschaftlichen Forschungen somit erweitern, da noch keine Klarheit bezüglich des zeitlichen Ansatzpunktes der Bindungsentwicklung zwischen Mutter und Kind besteht. Die bildungswissenschaftliche Relevanz zeigt sich auch in Bezug auf den Einfluss der pränatalen Bindungsqualität auf das spätere Verhalten des Kindes. Brisch meint auch, dass es von Bedeutung ist, dass sowohl Eltern, aber auch PädagogInnen und PsychotherapeutInnen, die mit Kindern, Jugendlichen, aber auch Erwachsenen arbeiten, mit der Bindungstheorie und den Verhaltensmustern von Bindungsstörungen vertraut sind. So könnten Bindungsstörungen leichter erkannt und darauf adäquater reagiert werden (vgl. Brisch 2002 zit. nach Brisch 2003, 63)

1.2 Methodenbeschreibung

Für diese Arbeit wird Literatur von Hidas/Raffai und Bowlby herangezogen, sowie Autoren, die sich intensiver mit der Bindungstheorie von John Bowlby beschäftigten. Zu Beginn dieser Arbeit wurde die Bindungstheorie genau erfasst und ein Exzerpt darüber erstellt. Besonders wurde die Bindungsentwicklung im ersten Lebensjahr des Kindes betrachtet. Die Differenzen zwischen den beiden Ansätzen wurden daraus herausgearbeitet und die Folgen aus dieser Erkenntnis aufgezeigt.

2. Hauptteil

2.1 Bindungsanalyse nach Györgi Hidas und Jenö Raffai

Die sogenannte Bindungsanalyse wurde von den beiden ungarischen Analytikern Györgi Hidas und Jenö Raffai in den 90er Jahren entwickelt. Die Mutter-Kind-Bindungsanalyse ist eine Methode, bei der zwischen der Mutter und dem sich in ihrer Gebärmutter entwickelnden Kind eine Verbindung hergestellt wird: „Die Nabelschnur der Seele, über die ein Austausch von Informationen und Signalen zwischen Mutter und Kind erfolgt.“ (Vollner; Hidas; Raffai 2006, 13) Jede Empfindung der Mutter sowie Außenreize übertragen sich auf das Kind. Auch die Einstellung der werdenden Mutter zu ihrem Kind ist für seine Entwicklung, seine Persönlichkeit, seine Beziehungen sowie sein soziales Verhalten von Bedeutung. (vgl. Hidas; Raffai 2006, 17)

Die Bindungsanalyse ist eine Methode zur Harmonisierung und Vertiefung der Beziehung  zwischen der Mutter und ihrem Baby. Mit ihrer Hilfe kann die seelische und körperliche Entwicklung des Babys während der Schwangerschaft soweit gefördert werden, dass die Geburt natürlich und mit einem geringeren Komplikationsrisiko verlaufen kann und damit weniger belastend für Mutter und Baby ist. Damit kann späteren psychosomatischen Krankheiten vorgebeugt werden. (vgl. Hidas; Raffai 2006, 59ff.)

Alle menschlichen Sinnesorgane funktionieren ab dem zweiten Drittel der Schwangerschaft und der Fetus reagiert auch auf unterschiedlichste Reize. Die Umgebung der Gebärmutter beginnt auch sich zu verändern, all das nimmt der Fetus schon wahr. (vgl. Hidas; Raffai 2006, 40f.) Die emotionale Einstellung der Mutter beeinflusst auch die emotionale Entwicklung und Bindungsfähigkeit des Babys, sowie auch die Funktion seines gesamten psychosomatischen Systems. (vgl. Van der Bergh 2001 zit. nach Hidas; Raffai 2006, 107)

Es ist bekannt, dass Reize wie Alkohol oder Strahlenbelastung auf den Embryo oder Fetus eine ungünstige, manchmal auch schädigende Wirkung haben. Weniger bekannt sind hingegen psychische Einflüsse, die von der Mutter auf das Kind übertragen werden. Das Kind erlebt direkt, ob sich seine Mutter freut, ob sie unter Stress steht, wie sie sich fühlt oder wie ihre Einstellung gegenüber ihrem Kind ist. In der Bindungsanalyse lernt die Mutter, die Signale ihres Kindes wahrzunehmen und entsprechend darauf zu reagieren. Es beginnt eine tiefe, beidseitige Kommunikation, die sich vor allem über innere Bilder, Gedanken und Vorstellungen abbildet. Dabei zeigt sich die außergewöhnliche Fähigkeit des ungeborenen Kindes, Gefühle, Stimmungen und Erfahrungen der Mutter wahrzunehmen und diese zu kommunizieren.

Die gelingende Kommunikation der Mutter mit dem ungeborenen Kind schafft eine tiefe beidseitige Verbindung, die gerade für das Kind zu einer unschätzbaren Ressource wird. (vgl. Hidas; Raffai 2006, 49 ff.) Im Zentrum der Bindungsanalyse steht demnach die Beziehung zwischen der Mutter und ihrem ungeborenen Kind. Es geht darum, einen Kontakt zwischen Mutter und Kind herzustellen, vor allem durch imaginative Techniken. Gegen Ende der Schwangerschaft wird die Mutter dazu angeleitet, das Kind auf den Abschied von der intrauterinen Welt und damit die Geburt vorzubereiten. Somit wird dem Kind die Möglichkeit gegeben, dass es nicht nur physisch, sondern auch „psychisch“ voll und ganz zur Welt kommen kann. (Hidas; Raffai 2006, 109ff.) Die Autoren Hidas und Raffai behaupten außerdem, dass die Bindungsanalyse immer mehr im Stande sein wird, das Leben von Babys zu retten und ihre Lebensqualität zu verbessern. Auch jetzt haben sie bei den Forschungen schon einiges erreicht. Sie meinen, dass aus der Bindungsanalyse geborene Kinder andere Lebenschancen, eine andere Lebensqualität, einen anderen Entwicklungsgang haben. Sie wurden bereits mit ihrem ganzen Ich geboren und träumen sich nicht mehr in den Körper der Mutter zurück. (vgl. Hidas; Raffai 2006, 115) „Sie wissen, woher sie kommen und wohin sie gehen.“ (Hidas; Raffai 2006, 115)

2.2 Bindungstheorie nach John Bowlby

Die Bindungstheorie wurde in den 50er Jahren des letzten Jahrhunderts vom englischen Psychiater und Psychoanalytiker John Bowlby begründet. Diese besagt, dass der Säugling im Laufe seines ersten Lebensjahres aufgrund eines biologisch angelegten Verhaltenssystems eine starke emotionale Bindung zu einer Hauptbezugsperson entwickelt. Ist diese nicht erreichbar, können sekundäre Bezugspersonen ersatzweise aufgesucht werden. (vgl. Brisch 2003, 51) Nach Bowlby nimmt der Säugling sich und seine Mutter getrennt war. (vgl. Stern 1992 zit. nach Brisch 2006, 73) Die Bindung zwischen ihm und seiner Betreuungsperson muss somit erst im Laufe des ersten Lebensjahres entstehen und ist auf keinen Fall von Anfang an durch eine symbiotische Erlebensweise gegeben. (vgl. Brisch 2006, 73)

Bowlbys Bindungstheorie hat einen biologischen Fokus. Er betonte, wie wertvoll Bindungen für das Überleben seien, weil die Nähe zur Fürsorgeperson größere Sicherheit, Nahrung, Informationen über die äußere Welt, soziale Interaktion und Schutz vor räuberischen Wesen bietet. (vgl. Bowlby 2001, 90ff.) Seiner Meinung nach gehört das Bindungsverhalten zu einem Verhaltenssystem. Dieses umfasst eine eigene Motivation und ist nicht auf einen anderen Trieb zurückführbar. Es besagt demnach auch, dass ein Kind zu einer Fürsorgeperson, die es misshandelt, eine Bindung aufbauen kann. (vgl. Bowlby 1969 zit. nach Fonagy 2003, 14)

Bowlby betrachtet Mutter und Säugling als Teilnehmer in einem System, das sich wechselseitig bedingt und sich selbst reguliert. Nach Bowlby ist das Bindungssystem ein genetisch verankertes, motivationales System, das nach der Geburt aktiviert wird und eine überlebenssichernde Funktion hat. (vgl. Brisch 2003, 51 ff.) Kinder neigen dazu, in den ersten Lebensjahren mehrere Bindungsbeziehungen einzugehen. (vgl. Bretherton 1980 zit. nach Fonagy 2003, 16) An der Spitze steht die primäre Bezugsperson, die sich dazu entwickelt, wenn sie dem Kind viel Zeit widmet, ein großes emotionales Engagement hat und regelmäßig auftaucht. Die Nähe zur Bezugsperson wird angestrebt, Trennung löst Kummer aus. Der Säugling sucht besonders dann die Nähe seiner Mutter, wenn er Angst erlebt, unter anderem durch Trennung oder unbekannte Situationen und er erhofft sich dadurch Sicherheit, Schutz und Geborgenheit. Das Kind ist ein aktiver Interaktionspartner, der signalisiert, wann Bedürfnisse wie Nähe oder Schutz auftauchen und befriedigt werden wollen. (vgl. Brisch 2006, 35f.) Werden die Bedürfnisse befriedigt, kann darüber das System „Exploration“ aktiviert werden. (vgl. Bowlby 1975 zit. nach Brisch 2006, 38) Ein Kleinkind, das sich sicher und geborgen fühlt, kann seine Umwelt erforschen. Droht ihm Gefahr, kann es jederzeit auf die „sichere Basis“, seine primäre Bezugsperson, zurückgreifen. Ohne sichere emotionale Bindung ist auch keine offene Exploration möglich. (vgl. Brisch 2003, 51f.)

Die Bindungstheorie umfasst mehr als nur Bindung. Die drei Verhaltenssysteme – Bindung, Exploration und Furcht – regulieren die Entwicklungsanpassung des Kindes. Durch ihr Zusammenspiel kann das Kind Neues lernen und sich entwickeln, ohne zu weit herumzustreunen oder zu lange fortzubleiben. Die Bindungsfigur bildet die unabdingbare sichere Basis, von der aus das Kind die Welt erkundet. (vgl. Ainsworth 1963 zit. nach Fonagy 2003, 15) Ist die Bezugsperson vorübergehend abwesend, verhindert das die Exploration des Kindes. Ein Furchtsystem aktiviert das Bindungsverhalten, denn wenn das Furchtverhalten zu potentiellen Gefahren geweckt wird, sucht das Kind sofort eine Quelle des Schutzes und der Sicherheit. Durch die Aktivierung eines Sozial- oder Affektverhaltenssystems wird die Neigung des Kindes erklärt, Gesellschaft zu suchen, wenn das Furchtsystem nicht erregt ist. (vgl. Fonagy 2003, 15)

Ergebnisse von Studien zeigen, dass die Entwicklung des Kindes fast immer verzögert verläuft, wenn es die Betreuung der Mutter entbehren muss. Außerdem können Symptome körperlicher oder seelischer Krankheit auftreten. Diese schädlichen Folgen können jedoch während des ersten Lebensjahres teilweise vermieden werden, wenn die Kinder von einer Mutter-Ersatz-Person versorgt werden. (vgl. Bowlby 1995, 18ff.)

2.2.1 Phasen der Bindungsentwicklung nach Bowlby

Bowlby gliedert die Entwicklung der Bindung in vier Phasen, zwischen denen es jedoch keine klaren Abgrenzungen gibt. (vgl. Bowlby 1984, 247)


Phase 1: Orientierung und Signale ohne Unterscheidung der Figur

Diese Phase dauert von der  Geburt bis ungefähr acht oder zwölf Wochen an. In dieser Phase kann der Säugling gar nicht oder kaum andere Personen voneinander unterscheiden. Er orientiert sich an den Stimmen und den Gesichtern der Personen. Oft hört der Säugling zu schreien auf, wenn er eine Stimme hört oder ein Gesicht sieht. Diese freundlichen Verhaltensweisen, die eine Reaktion auf andere Personen sind, nehmen nach etwa 12 Wochen an Intensität zu. (vgl. Bowlby 1984, 247f.)


Phase 2: Orientierung und Signale, die sich auf eine (oder mehrere) unterschiedene Person (Personen) richten

Diese Phase dauert je nach den Bedingungen bis etwa sechs Monate oder viel länger. Das Kind verhält sich weiterhin ebenso freundlich gegenüber Personen wie in Phase 1, jedoch nun richtet sich das Verhalten ausgeprägter auf die Mutterfigur. (vgl. Bowlby 1984, 248)


Phase 3: Aufrechterhaltung der Nähe zu einer unterschiedenen Figur durch Fortbewegung und durch Signale

Der Beginn der dritten Phase liegt gewöhnlich zwischen dem 6. und 7. Monat, kann sich aber bis zum 2. und 3. Lebensjahr verzögern. Das Kind wird zunehmend wählerisch in seiner Behandlung von Personen und sein Reaktionsrepertoire erweitert sich. In dieser Zeit wird deutlich, dass der Säugling seine Mutter oder eine andere Bezugsperson als Hauptbindungsfigur identifiziert. Gleichzeitig nehmen die freundlichen Reaktionen auf alle anderen Personen ab. (vgl. Bowlby 1984, 248)


Phase 4: Bildung einer zielkorrigierten Partnerschaft

Diese Phase ist zeitlich schwer einzugrenzen. Es entsteht eine komplexere Beziehung zwischen Säugling und Bezugsperson, da der Säugling beginnt, die Bezugsperson als unabhängige Person zu betrachten und Einblick in ihre Gefühle und Verhaltensweisen gewinnt. (vgl. Bowlby 1984, 248f.)

In welcher Phase man das Kind als gebunden bezeichnet, ist ganz unterschiedlich und hängt von der Definition von „Bindung“ ab. Bowlby geht jedoch davon aus, dass das Kind spätestens in der dritten Phase gebunden ist (vgl. Bowlby 1984, 249).


2.3 Differenzen der Theorien und daraus folgende Konsequenzen

Die Betonung bei Bowlbys Bindungstheorie liegt darauf, dass er Bindung als ein angeborenes Verhaltenssystem sieht, das im Laufe des ersten Lebensjahres des Kindes zu einer primären Bezugsperson eine Bindung aufbaut. Bowlby war der Meinung, dass der menschliche Säugling über die angeborene Neigung verfügt, sich auf soziale Interaktionen einzulassen. (vgl. Bowlby 1958 zit. nach Fonagy 2003, 12) Das Baby ist ab der Geburt mit einem Verhaltenssystem ausgerüstet, das wichtige Bausteine für die spätere Entwicklung der Bindung enthält. Dazu zählen z.B. die primitiven Systeme wie Schreien, Saugen, Festhalten, später dann Lächeln und Schwätzen und noch ein paar Wochen später Krabbeln und Gehen. Obwohl jede dieser Verhaltensweisen anfangs noch einfach strukturiert ist, gibt es von Anfang an Unterscheidungen sowie eine Tendenz, auf mehrere Reizarten zu reagieren. Daraus entwickeln sich die genau unterschiedenen und verfeinerten Systeme, die später die Bindung an bestimmte Figuren vermitteln. (vgl. Bowlby 1984, 247)

Hidas und Raffai haben in neueren Untersuchungen herausgefunden, dass jedoch schon eine pränatale Bindungsentwicklung zwischen Mutter und Kind besteht. Durch die von ihnen entwickelte Bindungsanalyse wird die Mutter-Kind-Interaktion bereits vor der Geburt durch gegenseitigen Austausch von Informationen und Signalen gefördert. Die Einstellung zu dem, was zwischen Mutter und Kind vor der Geburt vorgeht, ist jedoch bis heute nicht geklärt. Es gibt zwar schon seit längerer Zeit ein intuitives Wissen darüber, dass die vorgeburtliche Verbindung zwischen Mutter und Kind bedeutsam ist, jedoch die biologische Sicht hat dieses Wissen verdeckt. (vgl. Hidas; Raffai 2006, 9)

Für mich werden dadurch folgende Konsequenzen deutlich hervorgehoben. Da man davon ausgehen kann, dass der Fetus im Mutterleib schon vieles wahrnimmt (vgl. Hidas; Raffai 2006, 21ff.), ist der Schluss daraus, dass eine pränatale Bindungsentwicklung zwischen Mutter und Kind stattfindet, für mich naheliegend. Beide Theorien dieser Arbeit haben ihren Standpunkt eindeutig argumentiert und trotz ihrer Unterschiedlichkeit hängen sie auf eine gewisse Weise zusammen – bei Bowlby findet die Bindungsentwicklung erst ab der Geburt statt, jedoch wird bei Hidas/ Raffai die Mutter-Kind-Bindung nach der Geburt ebenfalls nicht in Frage gestellt. Die „Basis“ entsteht pränatal, auf welche die Bindungsentwicklung später aufbauen kann. (vgl. Hidas; Raffai 2006, 39)

3. Resümee

3.1 Zusammenfassung der Ergebnisse

Das Ziel dieser Arbeit war es, Differenzen zwischen der Bindungstheorie von Bowlby und der Bindungsanalyse von Hidas/Raffai aufzuzeigen. Detailliert erfolgte dies in Bezug auf den zeitlichen Ansatzpunkt der Bindungsentwicklung zwischen Mutter und Kind.

Meiner Meinung nach haben beide hier beschriebenen Ansätze ihre Gültigkeit in der heutigen Zeit. Bowlby sieht das Bindungsverhalten als ein angeborenes, jedoch besteht nach ihm auch die Möglichkeit, bei Abwesenheit der Mutter auf eine sekundäre Bezugsperson zurückzugreifen.

Bei der sogenannten Bindungsanalyse wird die Mutter-Kind-Bindung bereits pränatal erforscht. Die Mutter-Kind-Bindung ist die stärkste und intimste, die zwischen zwei Menschen möglich ist. Erst die Zeit der Pränatal-Psychologie lieferte konkrete Beweise dafür, dass schon der Fetus ein eigenständiges Wesen mit einem eigenständigen Leben ist. (vgl. Gabrielsson 1991, zit. nach Hidas; Raffai 2006, 37)

Bowlbys Erkenntnisse zur Bindungstheorie sind jedoch keinesfalls zu verwerfen. Er beschreibt die Bindungsentwicklung ab der Geburt und ein umfassendes Wissen, das beide hier beschriebenen Ansätze beinhaltet, kann nur förderlich für weitere wissenschaftliche Arbeiten, Fragestellungen oder Studien sein.

4. Literaturverzeichnis

Bowlby, John (1953): Mutterliebe und kindliche Entwicklung. – München; Basel: Ernst Reinhardt Verlag 1995

Bowlby, John (1975): Bindung. Eine Analyse der Mutter-Kind-Beziehung. – München: Kindler Verlag 1984

Bowlby, John (1979): Das Glück und die Trauer. Herstellung und Lösung affektiver Bindungen. – Stuttgart: Klett-Cotta 2001

Brisch, Karl Heinz (1999): Bindungsstörungen. Von der Bindungstheorie zur Therapie. – Stuttgart: Klett-Cotta 2006

Brisch, Karl Heinz (2003): Grundlagen der Bindungstheorie und aktuelle Ergebnisse der Bindungsforschung. – In: Finger-Trescher, Urte; Krebs, Heinz (Hg.) (2003): Bindungsstörungen und Entwicklungschancen. – Gießen: Psychosozial-Verlag, 51-69

Fonagy, Peter (2001): Bindungstheorie und Psychoanalyse. – Stuttgart: Klett-Cotta 2003

Hidas, György; Raffai, Jenö (2006): Nabelschnur der Seele. Psychoanalytisch orientierte Förderung der vorgeburtlichen Bindung zwischen Mutter und Baby. – Gießen: Psychosozial Verlag

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